Sprache - der schönste Trieb

Ein Baby gluckst, gurrt, lallt, brabbelt, sprudelt und quietscht in allen möglichen Tonlagen. Lauttechnisch könnte ein Baby in allen Sprachen der Welt sprechen oder jeden Laut einer existierenden Sprache lernen. Je älter Babys aber werden, umso mehr Laute sortieren sie aus, bis sie nur noch die aus ihrer Muttersprache verwenden. Ihre Fähigkeit jeden Laut zu sagen, geht verloren. Bevor’s passiert, könnte man Babys locker nach dem weltpolitischen Bedarf einer Sprache zuteilen:

 „Du schaust gut aus, du wirst Tscheche.“ Oder noch besser: „Präsident Trump hat sich beschwert, dass der Storch die Amerikaner unfair behandele. Dich machen wir zu einem Amerikaner, Kleiner, damit die Amerikaner auch gegen die Chinesen einen fairen Krieg führen können.“ Das Baby bekommt eine amerikanische Mutter und die Greencard verpasst, und schon geht es auf der Welt gerechter zu.

Nahezu in allen Sprachen gibt es die Laute a, e, i, o, u. Dagegen werden die Umlaute ö, ü und ä in vielen Sprachen gnadenlos aussortiert – sie kommen nur im Deutsch und einigen anderen komplizierten Sprachen vor: Weil a, e, i, o, u sich gut unterscheiden lassen und die Kommunikation erleichtern. Umlaute dagegen wurden von Deutschen erfunden, um die Kommunikation zu erschweren und Tschechen zu ärgern.

Ein Jahr lang musste ich in einem Flüchtlingslager in den niederbayerischen Wäldern deutsche Umlaute lernen - mit Bären, Wölfen und Füchsen -, bis ich davon rüde Alpträume bekam:

In einem nötigte mich eine Südfrüchtenhändlerin auf der Ausländerbehörde dazu, mit einem Prüfrörchen Mäuseöhrchen zu bügeln, was bei mir zu einer Tränendrüsenentzündung führte.

Nur dank den Umlauten war früher jeder Deutscher ein Dichter oder Denker: Weil der Deutsche gleich, als er auf die Welt kam, sein Gehirn anstrengen und Umlaute trainieren musste. Und später musste der Deutsche Bücher voller Schachtelsätze lesen.

Heutzutage hockt der Deutsche im Internet, wo es viel weniger Umlaute gibt. Deswegen sind im Internet viel mehr Idioten unterwegs als anderswo. Somit verblöden heutzutage auch die Dichter und Denker und schreiben unter die Filmtrailer bei YouTube Kommentare wie: „Das buch ist auch vool super, aber der film ist geilerr, weil mans da sieht.“

Schon der Entdecker der Evolutionstheorie Charles Darwin meinte, die Sprache habe sich aus lautlichen Nachahmungen von Umweltgeräuschen entwickelt. Der Urmensch wollte seinen Artgenossen Informationen über bestimmte Umweltbedingungen mitteilen und ahmte die Umweltgeräusche nach:

Wenn ein Urmensch plötzlich das Brummen eines Bären vernahm, gab er das Brummen sofort weiter. Die Urmenschen, die sich drüber lustig gemacht und gelacht haben, wurden gefressen. … Das heißt natürliche Auslese. Nur diejenigen überlebten, die schnell davonliefen. Sie gaben das BRUMM-BRUMM weiter. Aus BRUMM-BRUMM wurde dann: „Vorsicht Bär!

Heute wissen wir, Vögel und Primaten kommunizieren viel differenzierter miteinander, als man gedacht hat. Diese Tiere verwenden sogar zusammengesetzte Alarmrufe. Manche Affen können ihre Artgenossen mit unterschiedlichen Rufen vor Feinden am Himmel oder solchen am Boden warnen. Diese Affen haben also einen Ruf für: „Vorsicht Bär!“, und einen anderen für „Passt auf! Ein Kampfjet!“

Nach Bedarf können die Affen diese Alarmrufe mit einer zusätzlichen Lautendung versehen. Damit bringen sie zum Ausdruck, dass zwar Gefahr drohe, diese aber nicht so groß sei und man weiter chillen könne. Das sind schon kleine Sätze, oder? Die Sprache mancher Menschen ist auch nicht viel komplizierter. Mal fuhr ich im Zug mit ein paar Männern mit Bierdosen in der Hand. Zwei Stunden lang haben sie geredet, doch keinen einzigen ganzen Satz dabei gebildet.

"Weißwurscht."

"Bier!"

"Geil!"

"Capuccino.“

„Boah!“

„Super!"

Die grammatisch komplizierteste Äußerung in ihrem Gespräch war, "hey, du Spakko!" Wenn dort Affen hockten, würden sie sicher komplexer zusammen reden. Bei Affen kann man an ihren Äußerungen den Ursprung der Sprache ausmachen, bei vielen Männern ihr Ende.

Manche Forscher denken, die Sprache ist aus Gebärden entstanden. Gehörlose nutzen bei ihrer Gestik-Kommunikation die gleichen Gehirnteile, die auch der Verarbeitung der normalen Sprache dienen. Nach einer neuen Studie erleichtern Greifbewegungen das Verständnis beim Lesen.

Ich stelle es mir so vor: Eine Gruppe Urmenschen lief auf einem schmalen Bergpfad vor dem Säbelzahntiger davon. Am Rand stand ihr Anführer. Um die Urmenschen anzutreiben, wedelte er mit dem Arm, stieß dabei: „HÜ, HÜ, HÜ“, hervor - und schon war das erste Wort für „vorwärts“ auf der Welt: Das HÜ – auf Tschechisch HOU - hat als Fuhrkommando für Pferde bis heute überlebt.

Mit mir hat meine Mutter auch oft durch Gesten und Greifbewegungen kommuniziert. Trotzdem hoffe ich, die Sprache ist nicht entstanden, weil der Mensch auch verbal handgreiflich werden wollte.

In Pavianrufen haben Forscher fünf menschliche Laute gefunden. Der letzte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Pavian lebte vor etwa 25 Millionen Jahren und konnte wohl deswegen sprachähnliche Laute ausstoßen. Die Sprache hat sich also in einem langen Evolutionsprozess bis zu unserem schönsten Trieb entwickelt: Die anderen Menschen vollzulabern.